Trauer und Erinnerung brauchen einen Ort

Zu unserem Leben gehören Sterben, Tod und Trauer unweigerlich dazu, auch wenn diese Themen in unserer heutigen Gesellschaft gerne tabuisiert werden. Stirbt jedoch ein geliebter Mensch, egal ob Familienangehöriger oder Freund, so trifft uns dieser Verlust stets tief. Deswegen ist die letzte Ruhestätte eines geliebten Menschen ein besonderer Platz. Friedhöfe als Orte der Ruhe, Besinnung und des Respekts für die Verstorbenen können uns entscheidend dabei helfen, Schmerz und Trauer zu bewältigen.

Bestattungskultur früher und heute

Die Bestattungskultur ist und war schon immer einem stetigen Wandel unterworfen – sie ist ein Spiegel der Gesellschaft. Während im antiken Rom beispielsweise Feuerbestattungen die Norm waren, änderte sich dies mit dem wachsenden Einfluss des Christen- und Judentums grundlegend. Denn während die vorchristlichen Römer den Menschen konsequent in einen sterblichen, unwichtigen Leib und eine unsterbliche Seele unterteilten, deren Aufsteigen im Rauch ihnen Trost spendete, war diese Vorstellung für frühe Christen schlichtweg unbegreiflich. Stattdessen wurde im Erdgrab auf den Tag gewartet, an dem Gott den Gläubigen zu einer „fleischlichen“ Auferstehung verhelfen würde. Für die meisten gläubigen Juden und Moslems ist einer Feuerbestattung auch heute noch unvorstellbar.

In unserer säkularisierten Welt und auch, weil die Kirchen inzwischen Einäscherungen akzeptieren, geht der Trend unterdessen wieder verstärkt zu eben dieser Form der Bestattung. In Minden wird die Feuerbestattung mit rund 70 Prozent inzwischen wieder eindeutig favorisiert.

Das Grab als Ausdruck der Besonderheit

Bis zum Ende des 17.Jahrhunderts gab es in Europa keinerlei herkömmliche Friedhöfe. Nur reichen Kaufleuten, der Adelsklasse und sonstigen gesellschaftlich herausragenden Persönlichkeiten war der Luxus einer Einzelgrabstätte oder Familiengruft vergönnt. „Normale“ Menschen hingegen wurden in Massengräbern beigesetzt.

Zudem normierten Kirche und Staat lange Zeit, wie Verstorbene auf Friedhöfen zu bestatten waren. Das Ergebnis waren Gräber mit Grabsteinen aus Granit in Reih und Glied. Wichtig war der einheitliche Eindruck. Was zu tun war, bestimmte der Ritus. Individualität war nicht gefragt.

In der heutigen Zeit zeigt sich errungene Individualität auch nach dem Tod. Traditionsbruch und Gestaltungsfreiheit sind der wohl auffälligste Trend in der heutigen Bestattungskultur. Erlaubt ist, was gefällt!

Der Friedhof - Mehr als ein Ort des Abschieds

Dass Bäume, Blumen und Pflanzen die prägenden Elemente eines Friedhofs darstellen, erscheint uns heute fast selbstverständlich. Tatsächlich aber ist eine solche naturorientierte Ausschmückung der Begräbnisplätze ein Phänomen der Moderne, das sich auf den Siegeszug der englischen Landschaftsgärten zurückführen lässt. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist diesbezüglich sicherlich der Nordfriedhof in Minden.

Natürlich dienen Friedhöfe auch heute noch primär als Ruhestätte der Toten und den Hinterbliebenen als Ort der Trauer. Darüber hinaus bilden sie aber auch einen Gegenpol der Einkehr und Besinnlichkeit, in einer sonst so hektischen und auf Leistungsmaximierung ausgelegten Industriegesellschaft. Durch seine Ruhe lädt der Friedhof seine Besucher zu einer inneren Einkehr und Entschleunigung ein und dazu, sich die Zeit zu nehmen, bei einem Spaziergang abzuschalten und zu entspannen. Im stillen Dialog mit der Vergänglichkeit relativieren sich viele Sorgen des Alltags.

 

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