Historie der städtischen Friedhöfe Minden

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war Mindens Entwicklung geprägt durch die über Jahrhunderte vorhandenen und immer wieder erneuerten Stadtmauern. Mit diesen Änderungen eng verbunden ist auch die geschichtliche Entwicklung der Friedhöfe.

Als Bischofssitz verfügte die Stadt seit jeher über viele Kirchen sowie die daran angebundenen Kirchhöfe. Diese wurden mitunter für Märkte und Versammlungen genauso genutzt wie als Bestattungsflächen. Je bedeutender und der Kirche wohl gesonnener ein Bürger zu Lebzeiten war, desto näher lag sein – oftmals durch ein Kreuz oder einen Grabstein gekennzeichnetes – Grab an der Kirche. "Armenbegräbnisse" bekamen dieses Privileg nicht. Für sie gab es Bestattungsflächen in der Nähe der Spitäler oder außerhalb der Stadtmauern - oft in Massengräbern. Auch die sogenannten "Pestfriedhöfe" waren außerhalb der Stadt angelegt. Erst mit der Besetzung Mindens durch napoleonische Truppen Ende des 18. Jahrhunderts / Anfang des 19. Jahrhunderts wurde ein Gesetz erlassen, demzufolge die Toten grundsätzlich außerhalb der Stadtmauern zu beerdigen waren. Dabei spielten seuchenhygienische Gründe genauso eine Rolle, wie der von Napoleon vertretene Grundsatz der Gleichheit aller Bürger. So entstand 1807 ein "Gottesacker", der in Minden heute als "Alter Friedhof" oder "Botanischer Garten" bekannt ist. Nach fast 100jähriger Belegungszeit wurde dieser Friedhof ab 1904 vom "Neuen Friedhof" - heute "Nordfriedhof" genannt - abgelöst. Da die Stadt auch in südlicher Richtung ständig expandierte, wurde mit der Erstbelegung im Jahre 1957 der zunächst 5 Hektar große "Friedhof Simeonstor" - heute "Südfriedhof" genannt - gegründet.

 

Parallel zu den kirchlich oder kommunal geführten Friedhöfen gab es allerdings auch außerhalb der Stadtmauern bereits über Jahrhunderte "Private Begräbnisplätze". Anfang des 19. Jahrhunderts mussten beispielsweise ein jüdischer und ein christlicher Friedhof vor dem sogenannten "Marientore" der Erweiterung der Stadtmauern weichen. Historisch belegt ist auch ein privates Mausoleum auf dem Grundstück Rosenthal 1-5. Nach dem Abriss wurden leider nur Teile des Eingangs gesichert und an das Museum in der Ritterstraße abgegeben. Noch heute belegt werden die privaten Begräbnisstätten auf dem Hof "Böhne" im Stadtteil Minderheide, der Jüdische Friedhof von 1897 am Erbeweg sowie der 1800 eingerichtete Begräbnisplatz der Quäkergemeinde Mindens an der Kuckuckstraße.

 

Die interessanteste Ansammlung privater Begräbnisplätze außerhalb der Stadtmauern und Friedhöfe findet sich jedoch "In Kuhlmanns Freuden". Der historische, bis heute nicht ausgebaute Weg, verließ die Stadt in nördlicher Richtung am Fuße des Abhanges zur Weser und parallel zur heutigen Marienstraße. Er endete an der Mühle im Wallfahrtsteich - etwa am Ende des heutigen Nordfriedhofes und verlief zum Teil über diesen. Entlang des Weges waren traditionsreiche "Lusthäuser/Gastwirtschaften" beliebte Ausflugsziele. Zudem richteten verschiedene Mindener Familien ab etwa 1810 private kleine Begräbnisstätten ein, auf denen bis etwa 1872 bestattet wurde. Gründe für diese Gepflogenheit sind genauso wenig bekannt, wie die Anzahl der Begräbnisplätze. Acht von ihnen sind noch heute vorhanden und die Aufschriften auf den 13 erhaltenen Grabmalen dienen als Ausgangspunkt für Vermutungen und Spekulationen darüber, warum dieser Platz einst gewählt wurde.

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